Alles zum Thema Feu­er­schutz bei Tre­so­ren

von | aktua­li­siert am 10.06.2019 | 0 Kom­men­tare

Grund­le­gen­des

Tre­sore bestehen in der Regel aus Eisen oder Stahl. Daher ist grund­sätz­lich jeder Tre­sor bis zu einer bestimm­ten Tem­pe­ra­tur­grenze feu­er­be­stän­dig. Erst beim Errei­chen der Schmelz­tem­pe­ra­tur, die bei Eisen und Stahl weit über 1000°C liegt, wird der Tre­sor-Kor­pus im Brand­fall zer­flie­ßen. Der Tre­sor-Inhalt hin­ge­gen würde schon bei weit­aus nied­ri­ge­ren Tem­pe­ra­tu­ren zer­stört wer­den, da die­ser in sel­tens­ten Fäl­len aus Eisen oder Stahl besteht. So ent­zün­det sich dün­nes Papier (Zei­tungs­pa­pier) bereits ab einer Tem­pe­ra­tur von 175°C im Inne­ren des Tre­sors selbst. Der Feu­er­schutz­tre­sor hat daher die Auf­gabe nicht nur das Ein­drin­gen von Flam­men, Gasen oder Lösch­was­ser in den Innen­raum zu ver­hin­dern son­dern auch den Tem­pe­ra­tur­an­stieg im Innen­raum mög­lichst gering zu hal­ten.

Die jewei­li­gen Anfor­de­run­gen an den Feu­er­schutz rich­ten sich in der Norm nach der Art des Tre­sor-Inhalts. Es wird zwi­schen Papier (P) und Daten­trä­gern (D bzw. DIS) unter­schie­den. Dem­entspre­chend gibt es bei der Aus­wahl eines Feu­er­schutz­tre­sors die Option „Doku­men­ten­tre­sor“ für Papier oder „Daten­si­che­rungs­schrank“ für Daten­trä­ger. Für Letz­tere gel­ten noch höhere Anfor­de­run­gen als für Papier, da beson­ders Magnet­bän­der – ein immer noch häu­fig ver­wen­de­tes Spei­cher­me­dium – sehr hitze- und feuch­tig­keits­em­find­lich sind. Die unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen für Papier und Daten­trä­ger fin­den auch im Prüf­ver­fah­ren Berück­sich­ti­gung. Sowohl der Prüf­auf­wand und Prüf­ab­lauf als auch die Mess­ein­rich­tun­gen und Mess­stel­len rich­ten sich nach dem zu prü­fen­den Feu­er­tre­sor-Typ. Erst nach bestan­de­ner Feu­er­schutz­prü­fung erhält der Tre­sor seine offi­zi­elle Feu­er­schutz-Prüf­pla­kette.

Bei­spiel Prüf­pla­kette VdS

Bei­spiel Prüf­pla­kette ECB-S
Bei­spiel Prüf­pla­kette ECB-S

Ein ganz wesent­li­cher Aspekt soll an die­ser Stelle erwähnt wer­den: Der Feu­er­schutz ist unab­hän­gig vom Ein­bruch­schutz! Wäh­rend der Feu­er­schutz den Tre­sor-Inhalt vor der Zer­stö­rung im Brand­fall bewahrt, ver­hin­dert der Ein­bruch­schutz den Dieb­stahl des Tre­sor-Inhalts. Bei­des muss getrennt betrach­tet wer­den! Die Anfor­de­rung des Feu­er­tests nach EN 15659 unter­streicht dies indem nicht mal ein Schloss am Tre­sor gefor­dert wird. So kann ein Tre­sor mit dem maxi­ma­lem Feu­er­schutz „S120 DIS“ nach EN 1047-1 ein­bruchs­tech­nisch ein Kin­der­spiel sein und umge­kehrt ein Wert­schutz­schrank der Klasse V nach EN 1143-1 im Brand­fall nur noch ver­brann­tes Papier ent­hal­ten. Selbst­ver­ständ­lich gibt es auch Tre­sore die beide Eigen­schaf­ten – Feuer- und Ein­bruch­schutz – erfül­len, soge­nannte Duplex­schränke. Diese besit­zen gleich zwei Prüf­pla­ket­ten im Inne­ren und sind ent­spre­chend hoch­prei­sig. Des­halb sollte man sich bei der Anschaf­fung immer gut über­le­gen, wel­che Anfor­de­run­gen der Tre­sor pri­mär erfül­len muss und dabei auch das Umfeld, in dem der Tre­sor auf­ge­stellt wird, berück­sich­ti­gen. Manch­mal kommt man zu der Erkennt­nis, dass ein Tre­sor für Papier­do­ku­mente pri­mär einen pas­sen­den Feu­er­schutz benö­tigt und weni­ger einen hohen Ein­bruch­schutz.

Die Feuerschutz­prüfung

Für die Feu­er­schutz­prü­fung gibt es im Wesent­li­chen zwei wich­tige Nor­men, nach denen Tre­sore zer­ti­fi­ziert wer­den kön­nen:

Z

EN 15659

für leichte Brand­schutz­schränke
Z

EN 1047-1

für Daten­si­che­rungs­schränke und Dis­ket­ten­ein­sätze

Zer­ti­fi­zie­rung nach EN 15659

Die Europa-Norm EN 15659 dient zur Ermitt­lung der Wider­stands­fä­hig­keit leich­ter Brand­schutz­schränke gegen Brand. Zur Ein­stu­fung wird die Zeit in Minu­ten her­an­ge­zo­gen, bis zu der sich Papier-Doku­mente im Tre­sor-Innen­raum selbst ent­zün­den. Je stär­ker die Abschir­mung der Tre­sor­wände gegen Hitze, desto lang­sa­mer steigt die Tem­pe­ra­tur im Tre­sor, desto spä­ter ent­zün­det sich der Tre­sor-Inhalt. Die EN 15659 unter­schei­det zwi­schen zwei Feu­er­schutz-Klas­sen: die Stufe LFS 30 P und Stufe LFS 60 P. Die Klas­sen set­zen sich wie folgt zusam­men: Light Fire Safe 30 bzw. 60 Minu­ten für Papier. Im Gegen­satz zur EN 1047-1 sind die Anfor­de­run­gen der EN 15659 an die Prü­fung des Feu­er­schut­zes deut­lich gerin­ger. So lie­gen die Güte­klas­sen LFS 30 P und LFS 60 P mit ihren Anfor­de­run­gen unter­halb der S 60 P nach EN 1047-1. Auch wird in der EN 15659 keine Feu­er­stoß- und Sturz­prü­fung gefor­dert, son­dern nur die Feu­er­wi­der­stands­prü­fung, bei der zudem weder die Luft­feuch­tig­keit im Innen­raum noch Abkühl-Tem­pe­ra­tur­kur­ven erfasst oder bewer­tet wer­den. Letzt­lich stellt die EN 15659 eine „light“-Version der EN 1047-1 dar, die durch die gerin­ge­ren Prüfan­for­de­run­gen eine Feu­er­schutz­pla­kette auch für güns­ti­gere Tre­sore ermög­licht. Dadurch wer­den auch die Kun­den erreicht, die sich ansons­ten gegen jeg­li­che Art von feu­er­hem­men­den Tre­so­ren ent­schie­den hät­ten.

Zer­ti­fi­zie­rung nach EN 1047-1

Die Europa-Norm EN 1047-1 umfasst den stand heute här­tes­ten Feu­er­test für Daten­si­che­rungs­schränke und Dis­ket­ten­ein­sätze. Als gleich­wer­tig zu betrach­ten ist das VDMA-Ein­heits­blatt 24991-1, wel­ches sich eben­falls nach der EN 1047-1 rich­tet. Die Ein­stu­fung erfolgt ähn­lich zur EN 14549 anhand der Zeit in Minu­ten bis zur Selbst­ent­zün­dung bzw. Zer­stö­rung des Tre­sor-Inhalts, mit dem Unter­schied, dass neben Papier (P) auch moderne Daten­trä­ger (D) und Dis­ket­ten / Magnet­bän­der (DIS) Prüf­ge­gen­stand sind. Die Anfor­de­run­gen für Daten­trä­ger sind noch­mals höher als für Papier. So darf sich der Tre­sor-Innen­raum im gesam­ten Feu­er­test nur um maxi­mal +30°C gegen­über dem Start­wert von +20°C erwär­men und auch die Luft­feuch­tig­keit nicht über das Maxi­mum von 85% stei­gen. Bei Papier sind hin­ge­gen bis zu +150°C Tem­per­tur­an­stieg zuläs­sig. Der Feu­er­test nach EN 1047-1 dau­ert ins­ge­samt 24 Stun­den und stellt ein rea­li­täts­na­hes Brand-Sze­na­rio dar. Alles beginnt mit der Feu­er­wi­der­stands­prü­fung, bei dem der Tre­sor für ein bis zwei Stun­den auf 1090°C erhitzt wird und die Tem­pe­ra­tur und Luft­feuchte (nur bei Daten­trä­gern) im Inne­ren sowohl beim Auf­wär­men als auch beim Abküh­len erfasst wird. In Anschluss wird der noch heiße Tre­sor bei der Feu­er­stoß- und Sturz­prü­fung (wird für Dis­ket­ten­ein­sätze nicht durch­ge­führt!) aus knapp 9,15 Metern Höhe auf ein Kies­bett fal­len gelas­sen, was einem Sturz aus dem 3. Stock eines bren­nen­den Gebäu­des simu­lie­ren soll. Der Kor­pus darf in kei­nem Fall Risse bekom­men oder auf­plat­zen. Nach dem Abküh­len wird der Tre­sor inspi­ziert und erhält eine der offi­zi­el­len Feu­er­wi­der­stands­klas­sen, die wie folgt lau­ten: S 60 P bzw. S 120 P für Papier, S 60 D bzw. S 120 D für moderne Daten­trä­ger und S 60 DIS bzw. S 120 DIS für Dis­ket­ten / Magnet­bän­der.

Alle Feu­er­schutz­klas­sen im Über­blick

In der fol­gen­den Auf­lis­tung fin­den Sie alle offi­zi­el­len Feu­er­schutz­klas­sen für Tre­sore. Neben der Ein­stu­fung mit Norm ist zu jeder Klasse auch die die Art des Tre­sor-Inhalts, die Schutz­dauer und die maxi­male Innen­raum-Tem­pe­ra­tur im Brand­fall ange­ge­ben.

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