Alle Tre­­sor-Sicher­heits­­klas­­sen im Über­blick

von | Sep 14, 2018 | Blog-Arti­kel | 0 Kom­men­ta­re

All­ge­mei­nes

In die­sem Arti­kel möch­ten wir Licht ins Dunk­le der Sicher­heits­klas­sen für Tre­so­re brin­gen und einen detail­lier­ten Ein­blick in Zer­ti­fi­zie­rung von Tre­so­ren geben. Grund­sätz­lich gibt es bei Tre­so­ren kei­ne Ver­pflich­tung für eine Zer­ti­fi­zie­rung! Ein Tre­sor-Her­stel­ler kann daher sei­ne Pro­duk­te nach eige­nem Ermes­sen prü­fen, bewer­ten und ein­stu­fen. So gibt es eine Viel­zahl an Tre­so­ren am Markt die ent­we­der über­haupt kei­ne offi­zi­el­le Sicher­heits­stu­fe besit­zen oder auf eine ver­al­te­te Bau­vor­schrift ver­wei­sen, wie z.B. Tre­so­re der Stu­fe A und B nach VDMA. Sol­che Tre­so­re haben kei­nen offi­zi­el­len Ein­bruch­schutz!

Eine Aus­sa­ge über Schutz und Sicher­heit eines Tre­sors kann daher nur über ein objek­ti­ves, stan­dar­di­sier­tes, immer glei­ches Test­ver­fah­ren getrof­fen wer­den. Die­se Prü­fun­gen wer­den von unab­hän­gi­gen und neu­tra­len Insti­tu­ten wie dem VdS in Deutsch­land oder der ECB in Euro­pa nach einer gül­ti­gen Prüf­norm durch­ge­führt. Im Zuge der Zer­ti­fi­zie­rungs­prü­fung wer­den u.a. auf­wän­di­ge Aufbruch­versuche mit mecha­ni­schen und ther­mi­schen Einbruch­werkzeugen durch­ge­führt und sowohl der Kor­pus als auch das ver­bau­te Tre­sor-Schloss atta­ckiert bzw. mani­pu­liert. Die Höhe des Wider­stands des Tre­sors gegen­über die­sen Angrif­fen wird abschlie­ßend mit einer offi­zi­el­len Prüf­pla­ket­te im Inne­ren des Tre­sors beschei­nigt. Erst dadurch wer­den Tre­so­re unter­ein­an­der wirk­lich ver­gleich- und unter­scheid­bar.

Die­se Ver­gleich­bar­keit ist beson­ders für Ver­si­che­run­gen wert­voll, da nur dadurch eine soge­nann­te Zeich­nungs­gren­ze (maxi­ma­le Ver­si­che­rungs­sum­me für den Wert des Tre­sor-Inhalts) fest­ge­legt wer­den kann. Die Zeich­nungs­gren­ze steigt mit der Höhe des Ein­bruch­schut­zes bzw. der Sicher­heits­stu­fe des Tre­sors und unter­schei­det zudem zwi­schen pri­va­ter und gewerb­li­cher Nut­zung. Die Ver­si­che­rungs­sum­men im pri­va­ten Bereich lie­gen deut­lich höher als im gewerb­li­chen Bereich und las­sen sich in bei­den Fäl­len durch den Nach­weis einer Ein­bruch­mel­de­an­la­ge (EMA) erheb­lich erhö­hen.

Die Einbruchschutz­prüfung

Für die Ein­bruch­schutz­prü­fung gibt es aktu­ell nur zwei gül­ti­ge Nor­men:

N

EN 14450

für Sicher­heits­schrän­ke

N

EN 1143-1

für Wert­schutz­schrän­ke

Sicher­heits­schrän­ke nach EN 14450

Die Euro­pa-Norm EN14450 für Sicher­heits­schrän­ke der Stu­fe S1 und S2 hat über­wie­gend Ver­wen­dung für Tre­so­re im Pri­vat­be­reich. Die Ein­stu­fung erfolgt auf Basis von Sicher­heits­punk­ten „SU“ (Secu­ri­ty Units) und Werk­zeug­punk­ten „TP“ (Tool Points). Für die Berech­nung der Sicher­heits­punk­te SU wird die Arbeits­zeit für den Auf­bruch und ein soge­nann­ter Werk­zeug­ko­ef­fi­zi­ent (jedes Auf­bruch­werk­zeug hat einen eige­nen Fak­tor in der SU-Berech­nung) her­an­ge­zo­gen. Die Berech­nung der Werk­zeug­punk­te TP basiert hin­ge­gen auf den zum Auf­bruch ein­ge­setz­ten Werk­zeu­gen und deren Punk­te­zahl. Je stär­ker das Werk­zeug, des­to höher des­sen Punk­te­zahl. Für die Stu­fe S1 wer­den min­des­tens 2 SU und 40 TP benö­tigt, für Stu­fe S2 min­des­tens 5 SU und 60 TP. Der genaue Wert einer SU bzw. eines TP bleibt jedoch stets geheim, damit kei­ne Rück­schlüs­se auf die benö­tig­te Auf­bruch­zeit und die dafür nöti­gen Werk­zeu­ge getrof­fen wer­den kön­nen! Den Abschluss der Zer­ti­fi­zie­rungs­prü­fung nach EN 14450 bil­det die Prü­fung der Schloss­qua­li­tät nach EN1300 und eine Ver­an­ke­rungs­prü­fung, bei der die Aus­zugs­kraft ermit­telt und bewer­tet wird.

Wert­schutz­schrän­ke nach EN 1143-1

Die Euro­pa-Norm EN1143-1 für Wert­schutz­schrän­ke der Klas­se N/0 bis VI fin­det Ver­wen­dung vom pri­va­ten bis in den Hoch­si­cher­heits­be­reich. Die Ein­stu­fung der Tre­so­re die­ser Sicher­heits­norm erfolgt über den Wider­stands­wert „RU“ (Resis­tan­ce Unit). Ähn­lich wie bei der EN14450 errech­net sich der Wider­stands­wert aus der Dau­er für den Auf­bruch und dem dafür ein­ge­setz­ten Werk­zeug, wobei zwi­schen mecha­ni­schen und ther­mi­schen Werk­zeu­gen unter­schie­den wird. Der Wider­stands­wert „30/50 RU“ weißt auf eine Auf­bruch­zeit von 30 RU gegen­über mecha­ni­schen und 50 RU gegen­über ther­mi­schen Werk­zeu­gen hin. Der Zeit­wert einer RU ist eben­falls geheim! Je höher der RU-Wert, des­to grö­ßer der Wider­stand. Die Zer­ti­fi­zie­rungs­prü­fung nach EN1143-1 ist unter­teilt in Auf­bruch­ver­su­che mit Teil­zu­griff (nur ein Teil des Tre­sor-Innen­raums ist zugäng­lich, z.B. durch ein Loch) und einen Auf­bruch­ver­such mit Voll­zu­griff (der kom­plet­te Tre­sor-Innen­raum ist zugäng­lich). Eben­falls Umfang der Prü­fung sind geziel­te Auf­bruch- und Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che am Schloss und der Ver­an­ke­rung des Tre­sors. Im Gegen­satz zur EN14450 ist bei der EN1143-1 die Schloss­klas­se nach EN1300 und die Anzahl an Schlös­sern fest vor­ge­schrie­ben. So ver­langt zum Bei­spiel die Sicher­heits­stu­fe IV min­des­tens zwei Schlös­ser der Stu­fe 2 nach EN1300.

Ungül­ti­ge Nor­men

Aktu­ell wird eine ungül­ti­ge Norm immer noch häu­fig zitiert und in Ver­kaufstex­ten bewor­ben:

Q

VDMA 24992

für Stahl­schrän­ke

Zur VDMA 24992 zäh­len die Sicher­heits­stu­fen Stu­fe A und Stu­fe B. Streng genom­men han­delt es sich hier­bei nicht um eine klas­si­sche Norm, son­dern um eine Bau­vor­schrift für Stahl­schrän­ke des VDMA (Ver­band Deut­scher Maschi­nen- und Anla­gen­bau e.V.) kon­stru­iert. Die­se Bau­vor­schrift ist im Ein­heits­blatt VDMA 24992 Stand Mai 1995 fest­ge­hal­ten und mitt­ler­wei­le nicht mehr gül­tig, da das Ein­heits­blatt am 31. Dezem­ber 2003 vom VDMA ersatz­los zurück­ge­zo­gen wur­de. Damit endet auch die Über­wa­chung der Tre­sor-Her­stel­ler durch den VDMA. Tre­so­re der Sicher­heits­stu­fen A und B haben dem­nach kei­ne gül­ti­ge Zer­ti­fi­zie­rung! Als Nach­fol­ger des Ein­heits­blatts VMDA 24992 wur­de die Euro­pa-Norm EN14450 mit ihren Sicher­heits­stu­fen S1 (ehem. A) und S2 (ehem. B) ein­ge­führt, deren Anfor­de­run­gen ober­halb der des Ein­heits­blatts VMDA 24992 lie­gen.

Alle Sicher­heits­stu­fen im Über­blick

In der fol­gen­den Auf­lis­tung fin­den Sie alle offi­zi­el­len Sicher­heits­stu­fen für Tre­so­re. Neben der Ein­stu­fung mit Norm ist zu jeder Stu­fe auch die Wider­stands­ein­heit (sofern vor­han­den), die vor­ge­ge­be­ne Schloss­klas­se und der maxi­mal ver­si­cher­ba­re Wert bei pri­va­ter oder gewerb­li­cher Nut­zung ange­ge­ben.

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