Alle Tresor-Sicher­heits­­­klassen im Überblick

von | aktua­li­siert am 31.03.2021 | 0 Kommentare

Grund­le­gendes

In diesem Artikel möchten wir Licht ins Dunkle der Sicherheits­klassen für Tresore bringen und einen detail­lierten Einblick in Zerti­fi­zierung von Tresoren geben. Grund­sätzlich gibt es bei Tresoren keine Verpflichtung zur Zerti­fi­zierung! Ein Tresor-Hersteller kann daher seine Produkte nach eigenem Ermessen prüfen, bewerten und einstufen. So gibt es eine Vielzahl an Tresoren am Markt die entweder überhaupt keine offizielle Sicher­heits­stufe besitzen oder auf eine veraltete Bauvor­schrift verweisen, wie z.B. Tresore der Stufe A und B nach VDMA. Solche Tresore haben keinen offizi­ellen Einbruch­schutz!

Eine Aussage über Schutz und Sicherheit eines Tresors kann daher nur über ein objek­tives, standar­di­siertes, immer gleiches Testver­fahren getroffen werden. Diese Prüfungen werden von unabhän­gigen und neutralen Insti­tuten wie der VdS Schaden­ver­hütung GmbH (kurz VdS) in Deutschland oder der European Certi­fi­cation Body GmbH (kurz ECB) in Europa nach einer gültigen Prüfnorm durch­ge­führt. Im Zuge der Zerti­fi­zie­rungs­prüfung werden u.a. aufwändige Aufbruch­versuche mit mecha­ni­schen und thermi­schen Einbruch­werkzeugen durch­ge­führt und sowohl der Korpus als auch das verbaute Tresor-Schloss attackiert bzw. manipu­liert. Die Höhe des Wider­stands des Tresors gegenüber diesen Angriffen wird abschließend mit einer offizi­ellen Prüfpla­kette im Inneren des Tresors bescheinigt. Erst dadurch werden Tresore unter­ein­ander wirklich vergleich- und unter­scheidbar.

Beispiel Prüfpla­kette VdS

Beispiel Prüfpla­kette ECB-S

Diese Vergleich­barkeit ist besonders für Versi­che­rungen wertvoll, da nur dadurch eine sogenannte Zeich­nungs­grenze (maximale Versi­che­rungs­summe für den Wert des Tresor-Inhalts) festgelegt werden kann. Die Zeich­nungs­grenze steigt mit der Höhe des Einbruch­schutzes bzw. der Sicher­heits­stufe des Tresors und unter­scheidet zudem zwischen privater und gewerb­licher Nutzung. Die Versi­che­rungs­summen im privaten Bereich liegen deutlich höher als im gewerb­lichen Bereich und lassen sich in beiden Fällen durch den Nachweis einer Einbruch­mel­de­anlage (EMA) erheblich erhöhen.

Die Einbruchschutz­prüfung

Für die Einbruch­schutz­prüfung gibt es aktuell nur zwei gültige Normen, nach denen Tresore zerti­fi­ziert werden können:

Z

EN 14450

für Sicher­heits­schränke

Z

EN 1143-1

für Wertschutz­schränke

Zerti­fi­zierung nach EN 14450

Die Europa-Norm EN14450 für Sicher­heits­schränke der Stufe S1 und S2 hat überwiegend Verwendung für Tresore im Privat­be­reich. Die Einstufung erfolgt auf Basis von Sicher­heits­punkten „SU“ (Security Units) und Werkzeug­punkten „TP“ (Tool Points). Für die Berechnung der Sicher­heits­punkte SU wird die Arbeitszeit für den Aufbruch und ein sogenannter Werkzeug­ko­ef­fi­zient (jedes Aufbruch­werkzeug hat einen eigenen Faktor in der SU-Berechnung) heran­ge­zogen. Die Berechnung der Werkzeug­punkte TP basiert hingegen auf den zum Aufbruch einge­setzten Werkzeugen und deren Punktezahl. Je stärker das Werkzeug, desto höher dessen Punktezahl. Für die Stufe S1 werden mindestens 2 SU und 40 TP benötigt, für Stufe S2 mindestens 5 SU und 60 TP. Der genaue Wert einer SU bzw. eines TP bleibt jedoch stets geheim, damit keine Rückschlüsse auf die benötigte Aufbruchzeit und die dafür nötigen Werkzeuge getroffen werden können! Den Abschluss der Zerti­fi­zie­rungs­prüfung nach EN 14450 bildet die Prüfung der Schloss­qua­lität nach EN1300 und eine Veran­ke­rungs­prüfung, bei der die Auszugs­kraft ermittelt und bewertet wird.

  • Sicher­heits­stufe S1weitge­hender Einbruch­schutz gegen mecha­nische Werkzeuge. Schutz gegen leichte Brände.
  • Sicher­heits­stufe S2weitge­hender Einbruch­schutz gegen mecha­nische Werkzeuge über S1 hinaus. Schutz gegen leichte Brände.

Zerti­fi­zierung nach EN 1143-1

Die Europa-Norm EN1143-1 für Wertschutz­schränke der Klasse N/0 bis VI findet Verwendung vom privaten bis in den Hochsi­cher­heits­be­reich. Die Einstufung der Tresore dieser Sicher­heitsnorm erfolgt über den Wider­standswert „RU“ (Resis­tance Unit). Ähnlich wie bei der EN14450 errechnet sich der Wider­standswert aus der Dauer für den Aufbruch und dem dafür einge­setzten Werkzeug, wobei zwischen mecha­ni­schen und thermi­schen Werkzeugen unter­schieden wird. Der Wider­standswert „30/50 RU“ weißt auf eine Aufbruchzeit von 30 RU gegenüber mecha­ni­schen und 50 RU gegenüber thermi­schen Werkzeugen hin. Der Zeitwert einer RU ist ebenfalls geheim! Je höher der RU-Wert, desto größer der Wider­stand. Die Zerti­fi­zie­rungs­prüfung nach EN1143-1 ist unter­teilt in Aufbruch­ver­suche mit Teilzu­griff (nur ein Teil des Tresor-Innen­raums ist zugänglich, z.B. durch ein Loch) und einen Aufbruch­versuch mit Vollzu­griff (der komplette Tresor-Innenraum ist zugänglich). Ebenfalls Umfang der Prüfung sind gezielte Aufbruch- und Manipu­la­ti­ons­ver­suche am Schloss und der Veran­kerung des Tresors. Im Gegensatz zur EN14450 ist bei der EN1143-1 die Schloss­klasse nach EN1300 und die Anzahl an Schlössern fest vorge­schrieben. So verlangt zum Beispiel die Sicher­heits­stufe IV mindestens zwei Schlösser der Stufe 2 nach EN1300.

  • Wider­standsgrad N(0)geprüfter Einbruch­schutz gegen mecha­nische & thermische Werkzeuge (30/30 RU)
  • Wider­standsgrad Igeprüfter Einbruch­schutz gegen mecha­nische & thermische Werkzeuge (30/50 RU)
  • Wider­standsgrad IIgeprüfter Einbruch­schutz gegen mecha­nische & thermische Werkzeuge (50/80 RU)
  • Wider­standsgrad IIIgeprüfter Einbruch­schutz gegen mecha­nische & thermische Werkzeuge (80/120 RU)
  • Wider­standsgrad IVgeprüfter Einbruch­schutz gegen mecha­nische & thermische Werkzeuge (120/180 RU)
  • Wider­standsgrad Vgeprüfter Einbruch­schutz gegen mecha­nische & thermische Werkzeuge (180/270 RU)

Ungültige Normen

Aktuell wird eine ungültige Norm immer noch häufig zitiert und in Verkaufstexten beworben:

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VDMA 24992

für Stahl­schränke

Zur VDMA 24992 zählen die Sicher­heits­stufen Stufe A und Stufe B. Streng genommen handelt es sich hierbei nicht um eine klassische Norm, sondern um eine Bauvor­schrift für Stahl­schränke des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.) konstruiert. Diese Bauvor­schrift ist im Einheits­blatt VDMA 24992 Stand Mai 1995 festge­halten und mittler­weile nicht mehr gültig, da das Einheits­blatt am 31. Dezember 2003 vom VDMA ersatzlos zurück­ge­zogen wurde. Damit endet auch die Überwa­chung der Tresor-Hersteller durch den VDMA. Tresore der Sicher­heits­stufen A und B haben demnach keine gültige Zerti­fi­zierung! Als Nachfolger des Einheits­blatts VMDA 24992 wurde die Europa-Norm EN14450 mit ihren Sicher­heits­stufen S1 (ehem. A) und S2 (ehem. B) einge­führt, deren Anfor­de­rungen oberhalb der des Einheits­blatts VMDA 24992 liegen.

  • Sicher­heits­stufe Aleichter Einbruch­schutz gegen mecha­nische Werkzeuge. Kein Schutz gegen Brände.
  • Sicher­heits­stufe Bleichter Einbruch­schutz gegen mecha­nische Werkzeuge. Schutz gegen leichte Brände.

Alle Sicher­heits­stufen im Überblick

In der folgenden Auflistung finden Sie alle offizi­ellen Sicher­heits­stufen für Tresore. Neben der Einstufung mit Norm ist zu jeder Stufe auch die Wider­stands­einheit (sofern vorhanden), die vorge­gebene Schloss­klasse und der maximal versi­cherbare Wert bei privater oder gewerb­licher Nutzung angegeben.

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Unser Tresor-Finder

Unser Tresor-Finder unter­stützt Sie dabei, einen passenden auf Ihre Bedürf­nisse und Wünsche abgestimmten Tresor zu finden. Mit ihm können Sie unsere große Anzahl an ausge­suchten Tresoren nach bestimmten Merkmalen durch­suchen und auf diese einschränken. Zudem finden Sie zu jedem unserer Tresore einen ausführ­lichen Testbe­richt in dem alle Merkmale des Tresors auflistet und bewertet werden. Sollten Sie noch unsicher sein, was es alles beim Tresor-Kauf zu beachten gibt, so können Sie sich gerne zuerst mit unseremTresor-Ratgeber infor­mieren.

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